| Makram, Rizq: Kulturgeist und
Kulturleib. Kulturpsychologie des alten Ägypten, mit einem Vorwort von Igor A. Caruso. 2.
Aufl. Tübingen, Selbstverlag, 1970. XII-192 S., 6T., 230 x 150mm. [Dieses Buch ist
"einem edlen deutschen Menschen, Herrn Dr. Walther Gebhardt, Direktor z.Z.i.R. der
Universitätsbibliothek Tübingen, in Verehrung und Dankbarkeit" gewidmet] Seit langem wird hervorgehoben, daß weder die griechische noch die
römische Besatzung die Aufgabe typisch pharaonischer Formen der ägyptischen Kultur
verursacht haben, sondern daß dies vielmehr durch das Aufkommen des Christentums geschah.
Die materielle Tradition ist demnach aufgelöst worden, weil die Geisteshaltung, die sie
hervorbrachte und zusammenhielt, zutiefst verändert worden ist. Der Titel des hier
rezensierten Buches drückt diese Unterscheidung zwischen den dinghaften Überresten der
ägyptischen Kultur (Kulturleib) und deren erzeugendem Geist (Kulturgeist) aus. Damit wir
uns diesem nähern können, müssen wir jene auf jeden Fall berücksichtigen, da die
Ägypter kaum Schriften hinterlassen haben, welche diesen Geist unmittelbar erhellen sei
es aus Verschwiegenheit, sei es überdies, weil es ihnen unnötig erscheinen mußte, das
ihnen Selbstverständliche zum Ausdruck zu bringen - und selbst solche Texte teilen sich
nur vermittels diffiziler Studien mit. Es ist daher üblich, daß sich die Mehrzahl der
Ägyptologen, seien es nun Philologen, Grammatiker oder Archäologen, mit der Analyse des
Dinghaften in der ägyptischen Kultur befassen. Infolge dieser Tätigkeit haben einige
versucht, die ägyptische Mentalität zu ergründen und zu dem Kern dieses Gedankens zu
gelangen: nennen wir also, wie es in den Sinn kommt, und um nur einige anzuführen: Erman,
Kees, Junker, Jèquier, Morenz, Anthes und Hornung. In die Nachfolge dieser Arbeiten
würde ich das Werk von Hrn. Makram stellen. Er erkennt auch, wie häufig die dinghaften
Überreste und die Texte der alten Ägypter sich schlecht zusammenfügen und verwirren, so
daß ihre bloße Zusammenzählung nicht ausreicht, um den Geist ihrer Kultur zu
enthüllen; daher versucht Makram eine dynamische Anschauung zu finden, welche die
Gegensätze überwindet und deren notwendiges Vorhandensein verständlich macht. Um dahin
zu gelangen, muß zunächst vermieden werden, das Verhalten der Alten gemäß der Regeln
eines allzu strengen Kartesianismus zu beurteilen, nach dem das Verhalten und die
Mentalität des Menschen von heute ebensosehr unlogisch und widersprüchlich erscheinen
würden. Man kann nicht die Reaktionen eines früheren Menschen verstehen, wenn man ihn
nicht als lebendiges Individuum betrachtet. Es gilt heute als anerkannt, daß der vor
mehreren tausend Jahren lebende Mensch mit uns ziemlich identisch sein konnte und daß
seine seelische Struktur, weit davon entfernt, "prälogisch" oder
"wild" zu sein, der unsrigen ähnlich gewesen sein mußte. Die graphischen oder
literarischen Symbole, die die Ägypter ausgewählt haben, um für uns auf unklare Weise,
für sie zweifellos sehr viel deutlicher, ihre Anschauungen von der Welt und vom Leben
auszudrücken, sind das Produkt psychischer Reaktionen, die nicht spezifisch ägyptisch,
sondern größtenteils dem Weltmenschen zu eigen sind, zu denen man Parallelen an völlig
verschiedenen Orten und Epochen finden kann.
Makram beruft sich also auf die Psychologie, um in den Geist Ägyptens der pharaonischen
Zeit eindringen zu können; zur Erforschung des Menschen der Vergangenheit verwendet er,
was diese Wissenschaft uns lehrt über das Verhalten des Menschen im allgemeinen, seine
bewußten oder unbewußten Beweggründe, über die enorme Anhäufung von Bildern und
Vorstellungen, die jeder von uns in seinem Inneren verbirgt, und die aus unserem
persönlichen Leben herrühren, aus der Familie, aber auch aus kleineren oder größeren
Gruppen, denen wir angehören, inbegriffen die Gruppe der gesamten Menschheit.
Das Vorgehen Makrams ist sehr originell und meines Erachtens sehr fruchtbar,
jedoch halte ich es für angebracht, der Präsentation des Buches einige Bemerkungen
voranzustellen. Die erste Auflage des Werkes geht auf das Jahr 1967 zurück; die Edition
von 1970 ist ein anastatischer Nachdruck; sie erhielt eine ergänzende Einführung von
einem Spezialisten der Psychologie, Dr. I. Caruso.
Von der ersten Auflage ist meines Wissens keine Besprechung erschienen, außer einer
kurzen, unkritischen Notiz in den Orientalia miscellanea der Bibliotheca Orientalis 27
(1970), S.126. Ebensowenig fand ich das Werk in irgendeiner neueren Studie mit verwandten
Fragestellungen zitiert. Die beiden Auflagen wurden unter der ausschließlichen
Verantwortung des Verfassers in Tübingen herausgegeben; eine weitere Schrift von seiner
Hand ist mir nicht bekannt. Das Vorwort enthält für mich unklare
Anspielungen auf Zwistigkeiten und Rivalitäten, ja sogar auf einen Prozeß des geistigen
Diebstahls, was alles die Erstveröffentlichung verzögert haben soll. Sofern die
Übermittlung neuer Fakten und deren Einbeziehung nicht langsamer vonstatten gegangen
sind, als ich mir dies vorstellen kann, muß man dann nicht in diesem Schweigen und derlei
Anhaltspunkten eine Art Ablehnung gegenüber dem Buch selbst sehen?
Sicherlich gibt es solche unwissenschaftlichen, mitunter gut aufgemachten Werke, wo man
schnell die auf Tatsachen beruhende und sachliche Ägyptologie verläßt, entweder wegen
der Phantasie des Autors oder auch, weil ihm ganz einfach Methode und Kompetenz fehlen;
nachdem ich jedoch das Buch von Hrn. Makram mit Achtsamkeit gelesen habe, scheint es mir
ausgezeichnet geschrieben, gestützt auf ernsthafte Information, klar gedacht und höchst
interessant zu sein. Ohne nun zu versuchen, Licht in das soeben angedeutete Dunkel zu
bringen, möchte ich an die Analyse des Buches gehen.
Um von dem Dinghaften der ägyptischen Kultur auf die Mentalität der Individuen, die sie
erschaffen haben, zurückzugehen, untersucht der Verfasser anhand psychoanalytischer
Methoden die symbolische Sprache in Bild oder Schrift durch welche die alten
Ägypter ihre Vorstellungen von der Welt und ihre Philosophie ausgedrückt haben.
Wahrscheinlich ist diese Analyse nicht von vornherein in der vom Verfasser vorgestellten
Reihenfolge geführt worden; das Übereinstimmen von Detailanalysen haben ihm die
Intuition eingegeben für das, was er "Arbeitshypothese" nennt, ein
Grundgedanke, der es ihm ermöglicht hat, in umfangreicher Deutung verschiedenartige
Mythen und Sinnbilder zusammenzufügen.
Die Entstehungsquelle der ägyptischen Kultur sei die alles erschaffende Sonne, also nicht
die Sonne der Physiker, sondern ein Seelengott, ein Geist, von dem jegliches Leben
ausströmt. Um diese Vorstellung und ihre vielfältigen Konsequenzen auszudrücken, haben
die Ägypter eine mythische und symbolische Sprache benutzt, deren Bilder das Produkt
bewußter und meist unbewußter Geisteshaltungen von Menschen gegenüber einer gewaltigen
Idee sind, die über ihre Anschauung von der Welt dominiert; die Sonne haucht in jeden
Menschen die Seele ein, die ihn unsterblich machen soll, den "Ach" oder
"Sonnenstrahl". Diese Schöpfung des Lebens stellt sich in den Menschen
bekannter Schöpfungsbilder dar, hauptsächlich in sexuellen, von denen "der Stier
seiner Mutter" nur ein Beispiel ist. Der Verfasser prüft eine bestimmte Anzahl von
Symbolen, die die Sonne, ihre Geschöpfe und deren Beziehungen verkörpern; zum Beispiel
den Falken, den Urhügel, die Himmelskuh und die heiligen Bäume. Unter Berufung auf
Gedankenassoziationen der Psychologie und Ethnologie betreffs solcher Bilder versucht er
zu verstehen warum die Ägypter speziell diese Symbole gewählt haben in Verbindung mit
der Grundvorstellung von der Sonne als Seelengott.
Der Leitfaden der Forschungen Makrams ist das Individuum, der "Kulturträger",
dessen Reaktionen, Schritt für Schritt verfolgt, in der Tat die ägyptische Metaphysik
fortschreitend konstituiert haben, Reaktionen, deren Verkörperung die gesamte
pharaonische Kultur ist.
Die beängstigenden Fragen, nach seinem Woher und Wohin haben den Ägypter veranlaßt, die
Beziehungen zu seinem Schöpfer zu definieren. Der Schöpfer ist ewig, da er Tag für Tag
von der Himmelskuh Nut neu geboren wird, die täglich von derselben Sonne befruchtet
wurde. Das Leben des Individuums nach dem Tode kann sich nur nach diesem Modell richten.
Das Individuum ist aus drei Elementen konstituiert, deren Wiedervereinigung für sein
ewiges Weiterleben unerläßlich sind: seine Sonnenseele oder Ach, ein männliches Element
wie der Gott aus dem sie strömt und deren Fähigkeit sich wiederzuerzeugen mit dem Namen
Ka bezeichnet ist; seine Vogelseele oder Ba symbolisiert die materiellen Strebungen des
Menschen und richtet sich dem Körper zu; und schließlich der Körper selbst, ohne dessen
Materialität die tägliche Erzeugung der ewigen Seele nicht stattfände; daher ist die
Mumifizierung nicht wie mitunter geschrieben worden ist ein Schutzverfahren,
bedingt durch die natürliche Austrocknung und Konservierung, welche die Wüste von selbst
gewährleistet, sondern vielmehr ein von den ägyptischen Vorstellungen des Fortlebens der
Seelen nach dem Tode erforderliches System.
Der verschleierte Ausdruck dieser jahrhundertelangen Überlegungen hat zahlreiche Mythen
hervorgebracht und eine Fülle von Sinnbildern der Allschöpfkraft der Sonne, Sinnbilder,
von denen die Darstellung von Min zweifellos die unzweideutigste in der Gesamtheit ihres
anthropomorphen Symbolwesens ist. Achenaton dessen Name nach Makram
"Sonnenstrahl des Aton" bedeutet soll einfach gewagt haben, endlich das
klar auszusprechen, was bisher nur verschlüsselt gesagt worden ist: die Sonne, deren
Strahlen in lebensspendende Hände ausgehen, zumindest für König und Königin, ist der
von Künstlichkeit nahezu entblößte und folglich hemmungslose und den Brauch verletzende
Ausdruck des Grundgedankens der ägyptischen Kultur. Um so Licht in die pharaonische
Literatur und Darstellungen zu bringen, zieht der Verfasser zahlreiche Theorien aus der
Psychologie heran, wie jene der Verdrängungen, des Ödipuskomplexes, der vor allem am
Ursprung des Königtums gewesen sein soll, jene der bei den Gottheiten quasi
allgegenwärtigen Bisexualität, die Theorie des Kultur-Unbewußten, der Traumdeutung, der
Sublimierung, sowie die Theorien Fechners über die Pflanzenpsychologie, etc.
Im Laufe seiner Untersuchung erörtert Makram unter anderen Problemen die Auslegung der
Uschebti und der sogenannten "Palastfassade", die er völlig neu interpretiert.
Das Uschebti sei ursprünglich keineswegs ein mit unangenehmen Arbeiten beauftragter
Stellvertreter des Toten, sondern ein symbolischer Baum (wb), in Mumiengestalt wie
Osiris, der auch Baum sein konnte, dazu mit einem Text versehen, der Anspielungen enthält
auf rein mythische und religiöse Aktivitäten, verbunden mit der Erhaltung dieser
heiligen Bäume in den Nekropolen. Was das zweite Problem betrifft, so stellt der Autor
fest, es gäbe kein Zeugnis davon, daß ein Palast je das Ornament der Fassade erhalten
hätte, die seinen Namen trägt; es handelte sich vielmehr um das Symbol der Sonnenseele,
dem eine vermittelnde Funktion zwischen Schöpfer und Geschöpf zukomme und deshalb als
Durchgang dargestellt sei.
Diese beiden neuen Deutungen werden sicherlich diskutiert werden; der Verfasser stellt sie
vor und verteidigt sie auf plausible und rationale Weise; und selbst wenn sie eines Tages
vom wissenschaftlichen Standpunkt aus en bloc widerlegt werden was ich nicht glaube
bleibt die Lektüre der Seiten, die ihnen Hr. Makram widmet, höchst lehrreich.
Es handelt sich hier übrigens nur um einige Ergebnisse; das Werk ist eine Fundgrube
originaler Interpretationen, die oft derart überzeugen, daß man beim Lesen geradezu
Erleuchtungen hat; alte Rätsel, von denen nur lahme Erklärungen vorhanden sind, erhellen
sich ganz plötzlich, das gilt selbst für solche, die der Autor gar nicht berührt. Aber,
wie er selbst in seinem Vorwort bemerkt, sind es nicht nur die konkreten Ergebnisse, die
zählen, so interessant sie sein mögen, sondern eben auch die vorgeschlagene Methode, die
auf einem Gebiet entwickelt worden ist, das eigentlich nicht das des Verfassers ist,
nämlich dem der Psychologie. Der Gedanke, sie auf die ägyptische Kultur anzuwenden, wie
man es früher oder später auch mit anderen Kulturen tun werden muß, der Gedanke,
"sich in die Haut" des alten Ägypters "zu versetzen", ist zum Teil
aufgrund psychologischer Erkenntnisse möglich, so daß dieses Verfahren ein viel
subtileres, wahrscheinlicheres und weit lebendigeres Verständnis der ägyptischen
Mentalität erlaubt und für das Studium dieser Kultur Wege öffnet, die mir
vielversprechend erscheinen. Fügen wir hinzu, daß der Verfasser die Schriften Plotins
oft zitiert, um sich der lebendigen ägyptischen Gedankenwelt noch mehr zu nähern.
Um das Interesse des Buches spürbarer zu machen, ohne es jedoch zu verfälschen, müßte
man die vom Autor verwendeten Fachausdrücke wiedergeben; es ist in der Tat recht
schwierig ein Buch zu resümieren, das so dicht ist und in dem die Gedanken sich
ununterbrochen über fast 200 Seiten hin entwickeln. Das Buch hat weder Inhaltsverzeichnis
noch Register, und dies ließe sich hier verteidigen, weil man sonst die Erklärung dieses
oder jenes Symbols nicht verstehen und verwenden könnte, ohne im Geiste den Zusammenhang
gegenwärtig zu haben, in dem Makram die betreffende Deutung gegeben hat. Der Text ist
fortlaufend; die Abschnitte, gekennzeichnet durch Gardinersche Hieroglyphenreihen, bilden
siebenunddreißig Paragraphen unterschiedlicher Länge, die jedoch nur einfache
Pausenbezeichnungen darstellen und den Fluß der Überlegungen keineswegs unterbrechen.
Der Verfasser schreibt eine äußerst präzise und klare Sprache, Zeichen einer vollkommen
beherrschten Gedankentiefe; der Leser wird durch diese schwierige Materie stufenweise und
ohne Obskurität geleitet; die Gedanken sind in Form deutlicher Schlußfolgerungen
zusammengefaßt, wobei jedem weiteren Schritt deutlich herausgearbeitete Problemstellungen
vorausgeschickt sind.
Makrams Untersuchung erinnert mich an das kurze Exposé über das ägyptische Symbolwesen,
das Rudolf Anthes im Bericht einer Freimaurerloge geschrieben hat (Grüne Blätter Nr.
23-24, März 1967, S.1-20); Anthes besinnt sich auf seine intime Erfahrung als Christ und
Freimaurer, um zu erklären, wie man die religiösen und philosophischen Gedanken der
Ägypter erörtern und ihre scheinbaren Widersprüche betrachten soll; dies ist bereits
ein Rekurs auf die Psychologie, allerdings auf eine personelle Psychologie, auf die
geistige Sensibilität eines denkenden Menschen. Auf einer ähnlichen, aber breiteren und
mehr technischen Ebene hat Makram gearbeitet, ohne einen persönlichen Glauben einfließen
zu lassen, sondern mit Erfolg darauf bedacht, auf dem Wege einer sehr humanen Wissenschaft
und jenseits bloßer Buchstabentreue gegenüber dem ägyptischen Erbe, den belebenden
Geist zu suchen. Er ist so meine ich ein Bahnbrecher in der gewählten
Methode; seine Vorschläge werden zweifellos ebensosehr von Ägyptologen als auch
Psychologen berührt, nichtsdestoweniger machen sie ein bemerkenswertes Buch aus, das die
ägyptische Kultur von einer ganz neuen Seite beleuchtet. |
Folgender Artikel erschien im
"Schwäbischen Tagblatt", Tübingen am Samstag, 12. Juni 1965
Der Sonnenglaube Altägyptens
Neue Forschungsergebnisse in der
ägyptischen Kulturpsychologie
Unter dem Titel "Kulturgeist und
Kulturleib-Kulturpsychologie des Alten Ägypten" erscheint in Kürze eine Arbeit von
Makram Rizk Waasef, die u.a. den Sonnenglauben der alten Ägypter unter neuen
Gesichtspunkten darstellt.
Der Verfasser vertritt die neue Auffassung, daß der alte Ägypter in der Sonne eine
schöpferische Allseele verehrte und sie nicht, wie es die heutigen Ägyptologen meinen,
als physische Kraft vergöttlichte. Das Geheimnis des ewigen Seins fand der Ägypter in
den Strahlen der Sonne, die die Seele in seinen Körper einhauchte. In dem Augenblick
seines Todes, wo die Seele sich vom Leibe trennt, kehrt sie zu Ihrem Ursprung, der Sonne
zurück. Dadurch ward er zu einem "ACH", einem Sonnenstrahl, was ihm seinen
Ewigkeitswunsch verwirklichte. Diese Tatsache, die von den Ägyptologen in
hundertjähriger Forschung übersehen wurde, bildet den Kern der ägyptischen Philosophie.
Auf Grund dieser Philosophie gelang es dem Verfasser ein weiteres Rätsel in der
Ägyptologie, nämlich das des Osiris, zu lösen.
Der Körper des Ägypters wurde nach dem Tode einbalsamiert und als Osiris
bezeichnet. Damit wurde der Ägypter zu einem ACH-Sonnenstrahl im Himmel und gleichzeitig
zu einem einbalsamierten Osiris in der irdischen Nekropole, was die Ägyptologen nicht
verstehen konnten. Die Lösung dieses Problems fand der Verfasser in einem Mythos, nach
dem die Sonne zum ersten Male aus einem Weltbaum erschien und auf ihm ihren Sitz nahm.
Osiris, das auf ägyptisch "Sitz der Sonne" heißt, war nichts anderes als
dieser Weltbaum. Indem der Ägypter den einbalsamierten Körper als Osiris bezeichnete,
wollte er damit seinen Körper als Weltbaum zum Sitze seiner Seele, dem ACH-Sonnenstrahl,
machen. Der Verfasser wendete sich dann zu den in der Ägyptologie bekannten kleinen
mumienähnlichen Schawabtifiguren, die den Ägyptern, zuweilen in der Zahl von 365, in das
Grab mitgegeben wurden. Im Gegensatz zu den Ägyptologen, für die diese Figuren Arbeiter
bedeuten, die dem Toten, die ihm im Jenseits auferlegte Arbeit tun sollten, konnte er
feststellen, daß die Schawabtis ebenfalls Symbole für 365 Weltbäume sind. Damit, meint
er, ließ der Ägypter in seinem Grabe 365 Bäume säen ein Baum für jeden Tag des
Jahres auf dem seine Seele ruhen und aus dem sie erscheinen konnte. Eine andere Form
in der ägyptischen Kunst, die in der Ägyptologie als Palastfassade bekannt ist und die
nach den Ägyptologen, angeblich aus einer Palastdarstellung entnommen ist, deutet er als
abstrakte Darstellung des bekannten Mythos von der aus dem Urhügel erscheinenden Sonne,
wodurch er sie als Verkörperung der Seele erklärte.
Als Einleitung seiner Arbeit bringt er eine neue geschichtsphilosophische Methode, nach
der er jede Kultur zu einer untrennbaren Einheit von Kulturgeist und Kulturleib
dargestellt hat. Um den abstrakten Kulturgeist anschauen zu können meint er muß
man den Sinn des konkreten Kulturleibes aus dem persönlichen sowie generellen Unbewußten
herausschöpfen können. Am Schluß vergleicht der Verfasser zwischen der Philosophie der
alten Ägypter und deren Erscheinung in der Lichtphilosophie Plotins.
|
Sechs Tage
später, am 18. Juni 1965, erschien diese Kritik im Schwäbischen Tagblatt
Briefe an die Redaktion
Bei den unter dieser Rubrik veröffentlichten Zuschriften
handelt es sich um Meinungsäußerungen, die mit der Meinung der Redaktion nicht unbedingt
identisch sind. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen und Zusammenfassungen
vor
Ägyptologischer Dilettantismus
Zu "Der Sonnenglaube Ägyptens"
Herr Makram Rizk Waasef hält es offensichtlich nicht für
nötig, Spengler selbst zu lesen, traut sich aber dennoch zu, auf seine geistigen Ahnen
als auf Kretins herabzublicken? Das heißt, Ahnen braucht er nicht, er produziert aus sich
selbst, nennt auch Wiedergekäutes Produktion. Doch wie steht es um das Eigene ?
Freilich gibt es noch gewisse Fragen bei den Schawabtis, und auch um Echnaton ist
noch nicht alles geklärt. Zu Osiris gehört eine Sammlung von Mythen, die wir teils nur
in Fetzen greifen, und auch die Palastfassade bietet einige Rätsel. Herr Makram ist nach
dem Rezept verfahren, von allem Scheinbefund ein wenig zu häkeln, eine dunkel gebraute
Soße darüber zu gießen, und das ganze als homogenes Gericht anzubieten. Möchten sich
nicht allzu viele Leser inzwischen den Magen verdorben haben!
Wo Herr Makram zwei Belegstellen aufzuweisen hat, die als späte Interpretation in
seinem Sinne in Anspruch genommen werden könnten - wieso wären sie den Ägyptologen
entgangen ? -, könnten ihm 200 entgegengehalten werden, die ihm glatt widersprechen. Sie
unterschlägt er zugunsten seiner verkrampften Idee. Solch typischen Dilettantismus
leistet sich in der Tat kein Akademiker, der wünscht ernst genommen zu werden. Es ist
gut, daß sich Herr Makram von den Ägyptologen und damit von der Wissenschaft distanziert
hat, sonst hätten sie sich von ihm distanzieren müssen, denn sie sind gewohnt auf
Beweisen aufzubauen.
U.T.,TÜBINGEN
[U.T., Tübingen soll angeblich eine Abkürzung von
Universität Tübingen sein] |
| Südwestpresse
Donnerstag. 8. Nov. 1984
Aegyptologen im wissenschaftlichen Disput
"Vom Sonnenglauben"
In der Reihe "Grundzüge" der
Wissenschaftlichen Buchgestellschaft Darmstadt. Band 50, veröffentlichte einer der
Orientalisten Tübingens, der Ägyptologe Prof.Dr.Hellmut Brunner im vergangenen Jahr 1983
einen Leitfaden unter dem Titel "Grundzüge der altägyptischen Religion".
Dieses "Büchlein" sollte, nach dem Wunsch Prof. Brunners S.7 "für das
besonders verwirrende und spröde Gebiet der ägyptischen Religion...eine Schneise
schlagen...". Daß ich jedoch der Bahnbrecher dieser Schneise bin, ist für ihn eine
unerwünschte Wahrheit.
Vor 20 Jahren, 1963, als Prof.Dr.Brunner noch mein Doktorvater war, teilte ich ihm
meine neue Theorie vom Sonnenglauben bei den alten Ägyptern mit. Dieser Theorie nach
haben die alten Ägypter in der Sonne eine schöpferische Allseele verehrt und sie nicht,
wie es die heutigen Ägyptologen meinen, als physische Kraft vergöttlicht. Sie fanden das
Geheimnis des ewigen Seins in den Strahlen der Sonne, die die Seele in ihren Körpern
einhauchte, wobei im Augenblick des Todes, ihre Seelen zu deren Schöpfer, der Sonne
zurückkehrten, um sich mit ihr zu vereinen, und zu einem ewig lebenden ACH-Sonnenstrahl
zu werden. Diese Sonnenstrahl-Seelen heißen auf ägyptisch ACHU, Plural von dem Wort ACH,
das uns in dem Namen des Königs Echnaton/Achnaton/ägyptisch: Ach n Aton begegnet.
Demnach heißt der Name des Königs Achnaton: "Strahl der Sonne, des Aton".
Zu dieser neuen religionspsychologischen Gesamtdarstellung des Sonnenglaubens und der
ACHU-Sonnenstrahlseelen der alten Ägypter gelangte ich aufgrund einer neuen mühseligen
psychoanalytischen Arbeitsmethode, die in den bisherigen 150 jahren ägyptologischer
Forschungen nie angewandt wurde.
Diese neue Arbeitsmethode erschien in meinem bereits 1967 in Tübingen
veröffentlichten Buch "Kulturgeist und Kulturleib, Kulturpsychologie des alten
Ägypten". Auf der Umschlagseite meines Buches steht das Bild des Königs Achnaton
mit der Erklärung "Echnaton (ägyptisch ACH N Aton = Strahl der Sonne des
Aton)...".
Nun nach 17 Jahren Schweigen schreibt Prof Dr. Brunner in seiner im 70. Lebensjahr
erschienenen "Schneise" auf S. 36/37 "Licht ist offenbar auch eine Gestalt
eines Strahles (Ach), eine der zentralen Manifestationen von Echnatons Gott...Seinen
Geburtsnamen änderte der König von Amenophis ("Amun ist gnädig") in Echnaton,
was vielleicht "Strahl des Aton" heißt. Das einzige, was Prof. Brunner zu
meiner neuen, psychoanalytisch erleuchteten Grundbedeutung des ägyptischen Begriffes ACH
als die Sonnenstrahl-Seelen im leben der Ägypter nach dem Tode sagt, sind die klassischen
drei, von Prof. Brunner sehr bedächtig formulierten Worte "was vielleicht ...
heißt", ohne mein Buch als Quelle zu zitieren.
Auf der letzten Umschlagsseite seines "Büchleins" steht folgende
Behauptung: "Der Verfasser, der sich viele Jahrzehnte mit dem Stoff befasst hat,
rekurriert nicht auf moderne Theorien , die sich erst noch zu beweisen haben, sondern
stützt sich auf weitgehend anerkannte Ergebnisse der Forschung". Die vielen
Jahrzehnte, in denen sich prof. Brunner mit dem Stoff befasst hat, haben ihm sicherlich
nicht mehr ägyptologisches Wissen, als alle anderen Ägyptologen der Welt beigebracht, so
daß dieses bloße Wissen ihm, genausowenig, wie den anderen Ägyptologen, zu neuen
Erfindungen verholfen hätte.
Zu meinen Erfindungen gelangte ich, nicht weil ich über mehr Wissen in der
Ägyptologie verfüge, sondern weil ich, im Gegensatz zu allen anderen Ägyptologen
eingeschlossen Prof. Brunner, eine neue psychoanalytische Arbeitsmethode angewandt habe,
die bisher allen ägyptologischen Forschern unbekannt war.
Zur Bestätigung meiner Behauptung sei mir erlaubt, einige wissenschaftliche
Stellungnahmen der gerechten Ägyptologen, Professor Dr. Joachim Spiegel, Göttingen, und
Prof. Dr. Claude Vandersleyen ... (Der vollständige Text ist oben
aufgeführt)
MAKRAM Rizq |
| Südwest Presse
Schwäbisches Tagblatt
Tübingen; Samstag, 24. November 1990
Geist und Ohnmacht
Gestrandet vor dem Verwaltungsgericht
Ein Streit, wie er auch
unter Gelehrten nicht häufig auf der Tagesordnung steht, beschäftigte am Donnerstag zum
wiederholten Mal das Sigmaringer Verwaltungsgericht. Genau genommen geht es nicht mehr so
sehr um den ursprünglichen Konfliktfall, denn der liegt bereits 25 Jahre lang zurück,
entzündet an einer wissenschaftlichen Arbeit, der die erhoffte Anerkennung an der
hiesigen Universität verweigert wurde. Nicht wenige Stimmen von offensichtlichem Gewicht
bezeugten ihren Respekt vor dem Werk, das Rizq Makram 1967 unter dem Titel
"Kulturgeist und Kulturleib. Kulturpsychologie des alten Ägypten" im
Selbstverlag veröffentlicht hat. Rezensionen bescheinigen dem wissenschaftlichen Ansatz
Originalität, indem es dem Autor gelungen sei, mit Hilfe von Hypothesen aus dem Feld der
Psychoanalyse den Ägyptologen zu neuen Erkenntnissen zu verhelfen. So sie denn überhaupt
Wert darauf legen. Freilich hat, und das verbittert den aus Kairo stammenden Ägyptologen
nachhaltig, sein einstiger Doktorvater eineinhalb Dutzend Jahre nach der Veröffentlichung
der umstrittenen Arbeit auf eine darin enthaltene zentrale These in einer eigenen
Publikation hingewiesen indes ohne auf die Quelle einzugehen.
In engem Zusammenhang mit dieser Konfliktkonstellation entwickelte nun Rizq Makram den
Verdacht, man wolle ihn verunglimpfen, um seine Idee als eigenes Gedankengut zu verwenden.
Als Indiz dafür führt er an, daß sein einstiger Doktorvater sich früher einmal an die
ägyptische Botschaft gewandt habe, damit der Paß seines Schülers überprüft werde. Und
als einen weiteren Hinweis darauf, daß man versuche ihn außer Landes zu treiben, deutet
er die Behauptung, die vor zwanzig Jahren eine ihm unbekannte Person gegenüber der
Kriminalpolizei gemacht hat: er hätte zur Zeit des Sechs-Tage-Krieges zwischen Ägypten
und Israel und auch noch danach Verbindung zur Palästinensischen Befreiungsorganisation
El Fatah gehabt.
Sein Strafantrag wegen falscher Verdächtigung und Verleumdung versandete. Dennoch hätte
er gern gewußt, wer dieser Informant war. Und darum auch sein Antrag, das Land zu
verpflichten, dem betreffenden Kriminalkommissar eine Aussagegenehmigung zu erteilen.
Auf den Tisch des Verwaltungsgerichts kamen diese Akten wieder, nachdem man vor zwei
Jahren beschlossen hatte, das Verfahren einstweilen ruhen zu lassen. Entgegen der Auskunft
des Gerichts, daß kriminalpolizeiliche Ermittlungen keinerlei Anhalt für die behaupteten
Verfolgungsmethoden ergaben hätten, glaubte Makram, neue Verdachtsmomente gefunden zu
haben, die in Vorwürfen gipfelten, unbekannte Personen hielten sich gelegentlich in
seiner Wohnung auf, hätten auf seinem Kopfkissen gesundheitsschädliche Bakterien
aufgebracht, die bei ihm eine Asthmaerkrankung auslösten. Von weiteren mutmaßlichen
Verfolgern hatte er sich die Autonummer notiert.
Fakten, wie sie die dritte Kammer des Sigmaringer Verwaltungsgerichts hören wollte,
konnte der Kläger keine vorbringen. Statt dessen warf er den Richtern vor, von den
"stupidesten Verbrechern" auszugehen, seine Verfolger seien ungleich
raffinierter. Zu einem Abschluß kam dieses Phantom-Verfahren dennoch nicht. Als der
Kammer-Vorsitzende mehrfach auf nachprüfbare Belege insistierte, blockte der Kläger ab
und beantragte, die Befangenheit des Vorsitzenden feststellen zu lassen. Bis dies
entschieden ist und das Verfahren fortgesetzt werden kann, werden wohl noch etliche Monate
ins Land gehen. Bei Würdigung aller Umstände, die einmal dieses Verfahren ausgelöst
haben, müßte in nicht allzu ferner Zeit ein weiser Schluß gefunden werden.
[Dr.] Hans-Joachim
Lang
Gedanken zur deutschen Gesetzgebung, teilweise 1994 dem
damaligen Justizminister vorgetragen, und von einem anwesenden Professor der Juristischen
Fakultaet der Universitaet Tuebingen bejaht worden sind:
Wenn ich es mir erlaube, mich zu fragen, wie es moeglich sein kann, dass es in der
deutschen Gesellschaft, ausser den vielen gerechten edlen Deutschen, deren Lebensideale
als felsenfeste Fundamente fuer die Entwicklung einer hohen, regionalen und
ueberregionalen Kultur der Deutschen und der Menschheit gelten, dass ausser ihnen soviele,
aus allen Bevoelkerungsschichten, vom Arbeiter bis zum Akademiker, so weit vom rechten
Wege der Gerechtigkeit und Menschlichkeit entfernt sein koennen dann glaube ich, dass
die deutsche Gesetzgebung eine nicht unerhebliche Rolle fuer die Gestaltung eines
Rechtsverhaeltnisses mit doppeltem Boden spielt. Ein Beispiel dafuer sei erwaehnt, wo es
nach dem deutschen Gesetz erlaubt ist, Abhoergeräte zu kaufen, es aber gleichzeitig
verbietet, sie in Deutschland anzuwenden. Nur im Ausland ist die Benmutzung solcher
Geraete straffrei. [Dieses Gesetz wurde inzwischen geaendert]. Damit spielt das Gesetz
selbst ein heimliches Doppelspiel, indem es den deutschen Landsmann vor Abhoerung
beschuetzt, den Landsmann gleichzeitig mit dem selben Gesetz dazu beguenstigt,
bedenkenlos, die Menschen im Ausland niederzubelauschen. Dieses Doppelspiel ist nicht ein
Einzelfall in der deutschen Gesetzgebung, wo Recht und Unrecht sich in der Mitte treffen,
und einander ver-vollkomnen. Je nach Lust und Laune kann demnach ein Richter, geschweige
dennein normaler Buerger, den Stab des Gesetzes in der Mitte halten, und einmal Recht und
ein andermal Unrecht, im Namen des Volkes aussprechen. |