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Sonderdruck aus:
 

LE MUSÉON

REVUE D’ÉTUDES ORIENTALES BD. 85
LOUVAIN 1972
Rezension von Claude Vandersleyen
Übersetzt von T. Staiber-Tübingen

Makram, Rizq: Kulturgeist und Kulturleib. Kulturpsychologie des alten Ägypten, mit einem Vorwort von Igor A. Caruso. 2. Aufl. Tübingen, Selbstverlag, 1970. XII-192 S., 6T., 230 x 150mm. [Dieses Buch ist "einem edlen deutschen Menschen, Herrn Dr. Walther Gebhardt, Direktor z.Z.i.R. der Universitätsbibliothek Tübingen, in Verehrung und Dankbarkeit" gewidmet]

Seit langem wird hervorgehoben, daß weder die griechische noch die römische Besatzung die Aufgabe typisch pharaonischer Formen der ägyptischen Kultur verursacht haben, sondern daß dies vielmehr durch das Aufkommen des Christentums geschah. Die materielle Tradition ist demnach aufgelöst worden, weil die Geisteshaltung, die sie hervorbrachte und zusammenhielt, zutiefst verändert worden ist. Der Titel des hier rezensierten Buches drückt diese Unterscheidung zwischen den dinghaften Überresten der ägyptischen Kultur (Kulturleib) und deren erzeugendem Geist (Kulturgeist) aus. Damit wir uns diesem nähern können, müssen wir jene auf jeden Fall  berücksichtigen, da die Ägypter kaum Schriften hinterlassen haben, welche diesen Geist unmittelbar erhellen sei es aus Verschwiegenheit, sei es überdies, weil es ihnen unnötig erscheinen mußte, das ihnen Selbstverständliche zum Ausdruck zu bringen - und selbst solche Texte teilen sich nur vermittels diffiziler Studien mit. Es ist daher üblich, daß sich die Mehrzahl der Ägyptologen, seien es nun Philologen, Grammatiker oder Archäologen, mit der Analyse des Dinghaften in der ägyptischen Kultur befassen. Infolge dieser Tätigkeit haben einige versucht, die ägyptische Mentalität zu ergründen und zu dem Kern dieses Gedankens zu gelangen: nennen wir also, wie es in den Sinn kommt, und um nur einige anzuführen: Erman, Kees, Junker, Jèquier, Morenz, Anthes und Hornung. In die Nachfolge dieser Arbeiten würde ich das Werk von Hrn. Makram stellen. Er erkennt auch, wie häufig die dinghaften Überreste und die Texte der alten Ägypter sich schlecht zusammenfügen und verwirren, so daß ihre bloße Zusammenzählung nicht ausreicht, um den Geist ihrer Kultur zu enthüllen; daher versucht Makram eine dynamische Anschauung zu finden, welche die Gegensätze überwindet und deren notwendiges Vorhandensein verständlich macht. Um dahin zu gelangen, muß zunächst vermieden werden, das Verhalten der Alten gemäß der Regeln eines allzu strengen Kartesianismus zu beurteilen, nach dem das Verhalten und die Mentalität des Menschen von heute ebensosehr unlogisch und widersprüchlich erscheinen würden. Man kann nicht die Reaktionen eines früheren Menschen verstehen, wenn man ihn nicht als lebendiges Individuum betrachtet. Es gilt heute als anerkannt, daß der vor mehreren tausend Jahren lebende Mensch mit uns ziemlich identisch sein konnte und daß seine seelische Struktur, weit davon entfernt, "prälogisch" oder "wild" zu sein, der unsrigen ähnlich gewesen sein mußte. Die graphischen oder literarischen Symbole, die die Ägypter ausgewählt haben, um für uns auf unklare Weise, für sie zweifellos sehr viel deutlicher, ihre Anschauungen von der Welt und vom Leben auszudrücken, sind das Produkt psychischer Reaktionen, die nicht spezifisch ägyptisch, sondern größtenteils dem Weltmenschen zu eigen sind, zu denen man Parallelen an völlig verschiedenen Orten und Epochen finden kann.
Makram beruft sich also auf die Psychologie, um in den Geist Ägyptens der pharaonischen Zeit eindringen zu können; zur Erforschung des Menschen der Vergangenheit verwendet er, was diese Wissenschaft uns lehrt über das Verhalten des Menschen im allgemeinen, seine bewußten oder unbewußten Beweggründe, über die enorme Anhäufung von Bildern und Vorstellungen, die jeder von uns in seinem Inneren verbirgt, und die aus unserem persönlichen Leben herrühren, aus der Familie, aber auch aus kleineren oder größeren Gruppen, denen wir angehören, inbegriffen die Gruppe der gesamten Menschheit.
Das Vorgehen Makrams ist sehr originell und – meines Erachtens – sehr fruchtbar, jedoch halte ich es für angebracht, der Präsentation des Buches einige Bemerkungen voranzustellen. Die erste Auflage des Werkes geht auf das Jahr 1967 zurück; die Edition von 1970 ist ein anastatischer Nachdruck; sie erhielt eine ergänzende Einführung von einem Spezialisten der Psychologie, Dr. I. Caruso.
Von der ersten Auflage ist meines Wissens keine Besprechung erschienen, außer einer kurzen, unkritischen Notiz in den Orientalia miscellanea der Bibliotheca Orientalis 27 (1970), S.126. Ebensowenig fand ich das Werk in irgendeiner neueren Studie mit verwandten Fragestellungen zitiert. Die beiden Auflagen wurden unter der ausschließlichen Verantwortung des Verfassers in Tübingen herausgegeben; eine weitere Schrift von seiner Hand ist mir nicht bekannt. Das Vorwort enthält – für mich unklare – Anspielungen auf Zwistigkeiten und Rivalitäten, ja sogar auf einen Prozeß des geistigen Diebstahls, was alles die Erstveröffentlichung verzögert haben soll. Sofern die Übermittlung neuer Fakten und deren Einbeziehung nicht langsamer vonstatten gegangen sind, als ich mir dies vorstellen kann, muß man dann nicht in diesem Schweigen und derlei Anhaltspunkten eine Art Ablehnung gegenüber dem Buch selbst sehen?
Sicherlich gibt es solche unwissenschaftlichen, mitunter gut aufgemachten Werke, wo man schnell die auf Tatsachen beruhende und sachliche Ägyptologie verläßt, entweder wegen der Phantasie des Autors oder auch, weil ihm ganz einfach Methode und Kompetenz fehlen; nachdem ich jedoch das Buch von Hrn. Makram mit Achtsamkeit gelesen habe, scheint es mir ausgezeichnet geschrieben, gestützt auf ernsthafte Information, klar gedacht und höchst interessant zu sein. Ohne nun zu versuchen, Licht in das soeben angedeutete Dunkel zu bringen, möchte ich an die Analyse des Buches gehen.
Um von dem Dinghaften der ägyptischen Kultur auf die Mentalität der Individuen, die sie erschaffen haben, zurückzugehen, untersucht der Verfasser anhand psychoanalytischer Methoden die symbolische Sprache – in Bild oder Schrift – durch welche die alten Ägypter ihre Vorstellungen von der Welt und ihre Philosophie ausgedrückt haben. Wahrscheinlich ist diese Analyse nicht von vornherein in der vom Verfasser vorgestellten Reihenfolge geführt worden; das Übereinstimmen von Detailanalysen haben ihm die Intuition eingegeben für das, was er "Arbeitshypothese" nennt, ein Grundgedanke, der es ihm ermöglicht hat, in umfangreicher Deutung verschiedenartige Mythen und Sinnbilder zusammenzufügen.
Die Entstehungsquelle der ägyptischen Kultur sei die alles erschaffende Sonne, also nicht die Sonne der Physiker, sondern ein Seelengott, ein Geist, von dem jegliches Leben ausströmt. Um diese Vorstellung und ihre vielfältigen Konsequenzen auszudrücken, haben die Ägypter eine mythische und symbolische Sprache benutzt, deren Bilder das Produkt bewußter und meist unbewußter Geisteshaltungen von Menschen gegenüber einer gewaltigen Idee sind, die über ihre Anschauung von der Welt dominiert; die Sonne haucht in jeden Menschen die Seele ein, die ihn unsterblich machen soll, den "Ach" oder "Sonnenstrahl". Diese Schöpfung des Lebens stellt sich in den Menschen bekannter Schöpfungsbilder dar, hauptsächlich in sexuellen, von denen "der Stier seiner Mutter" nur ein Beispiel ist. Der Verfasser prüft eine bestimmte Anzahl von Symbolen, die die Sonne, ihre Geschöpfe und deren Beziehungen verkörpern; zum Beispiel den Falken, den Urhügel, die Himmelskuh und die heiligen Bäume. Unter Berufung auf Gedankenassoziationen der Psychologie und Ethnologie betreffs solcher Bilder versucht er zu verstehen warum die Ägypter speziell diese Symbole gewählt haben in Verbindung mit der Grundvorstellung von der Sonne als Seelengott.
Der Leitfaden der Forschungen Makrams ist das Individuum, der "Kulturträger", dessen Reaktionen, Schritt für Schritt verfolgt, in der Tat die ägyptische Metaphysik fortschreitend konstituiert haben, Reaktionen, deren Verkörperung die gesamte pharaonische Kultur ist.
Die beängstigenden Fragen, nach seinem Woher und Wohin haben den Ägypter veranlaßt, die Beziehungen zu seinem Schöpfer zu definieren. Der Schöpfer ist ewig, da er Tag für Tag von der Himmelskuh Nut neu geboren wird, die täglich von derselben Sonne befruchtet wurde. Das Leben des Individuums nach dem Tode kann sich nur nach diesem Modell richten. Das Individuum ist aus drei Elementen konstituiert, deren Wiedervereinigung für sein ewiges Weiterleben unerläßlich sind: seine Sonnenseele oder Ach, ein männliches Element wie der Gott aus dem sie strömt und deren Fähigkeit sich wiederzuerzeugen mit dem Namen Ka bezeichnet ist; seine Vogelseele oder Ba symbolisiert die materiellen Strebungen des Menschen und richtet sich dem Körper zu; und schließlich der Körper selbst, ohne dessen Materialität die tägliche Erzeugung der ewigen Seele nicht stattfände; daher ist die Mumifizierung nicht – wie mitunter geschrieben worden ist – ein Schutzverfahren, bedingt durch die natürliche Austrocknung und Konservierung, welche die Wüste von selbst gewährleistet, sondern vielmehr ein von den ägyptischen Vorstellungen des Fortlebens der Seelen nach dem Tode erforderliches System.
Der verschleierte Ausdruck dieser jahrhundertelangen Überlegungen hat zahlreiche Mythen hervorgebracht und eine Fülle von Sinnbildern der Allschöpfkraft der Sonne, Sinnbilder, von denen die Darstellung von Min zweifellos die unzweideutigste in der Gesamtheit ihres anthropomorphen Symbolwesens ist. Achenaton – dessen Name nach Makram "Sonnenstrahl des Aton" bedeutet – soll einfach gewagt haben, endlich das klar auszusprechen, was bisher nur verschlüsselt gesagt worden ist: die Sonne, deren Strahlen in lebensspendende Hände ausgehen, zumindest für König und Königin, ist der von Künstlichkeit nahezu entblößte und folglich hemmungslose und den Brauch verletzende Ausdruck des Grundgedankens der ägyptischen Kultur. Um so Licht in die pharaonische Literatur und Darstellungen zu bringen, zieht der Verfasser zahlreiche Theorien aus der Psychologie heran, wie jene der Verdrängungen, des Ödipuskomplexes, der vor allem am Ursprung des Königtums gewesen sein soll, jene der bei den Gottheiten quasi allgegenwärtigen Bisexualität, die Theorie des Kultur-Unbewußten, der Traumdeutung, der Sublimierung, sowie die Theorien Fechners über die Pflanzenpsychologie, etc.
Im Laufe seiner Untersuchung erörtert Makram unter anderen Problemen die Auslegung der Uschebti und der sogenannten "Palastfassade", die er völlig neu interpretiert. Das Uschebti sei ursprünglich keineswegs ein mit unangenehmen Arbeiten beauftragter Stellvertreter des Toten, sondern ein symbolischer Baum (šwb), in Mumiengestalt wie Osiris, der auch Baum sein konnte, dazu mit einem Text versehen, der Anspielungen enthält auf rein mythische und religiöse Aktivitäten, verbunden mit der Erhaltung dieser heiligen Bäume in den Nekropolen. Was das zweite Problem betrifft, so stellt der Autor fest, es gäbe kein Zeugnis davon, daß ein Palast je das Ornament der Fassade erhalten hätte, die seinen Namen trägt; es handelte sich vielmehr um das Symbol der Sonnenseele, dem eine vermittelnde Funktion zwischen Schöpfer und Geschöpf zukomme und deshalb als Durchgang dargestellt sei.
Diese beiden neuen Deutungen werden sicherlich diskutiert werden; der Verfasser stellt sie vor und verteidigt sie auf plausible und rationale Weise; und selbst wenn sie eines Tages vom wissenschaftlichen Standpunkt aus en bloc widerlegt werden – was ich nicht glaube – bleibt die Lektüre der Seiten, die ihnen Hr. Makram widmet, höchst lehrreich.
Es handelt sich hier übrigens nur um einige Ergebnisse; das Werk ist eine Fundgrube originaler Interpretationen, die oft derart überzeugen, daß man beim Lesen geradezu Erleuchtungen hat; alte Rätsel, von denen nur lahme Erklärungen vorhanden sind, erhellen sich ganz plötzlich, das gilt selbst für solche, die der Autor gar nicht berührt. Aber, wie er selbst in seinem Vorwort bemerkt, sind es nicht nur die konkreten Ergebnisse, die zählen, so interessant sie sein mögen, sondern eben auch die vorgeschlagene Methode, die auf einem Gebiet entwickelt worden ist, das eigentlich nicht das des Verfassers ist, nämlich dem der Psychologie. Der Gedanke, sie auf die ägyptische Kultur anzuwenden, wie man es früher oder später auch mit anderen Kulturen tun werden muß, der Gedanke, "sich in die Haut" des alten Ägypters "zu versetzen", ist zum Teil aufgrund psychologischer Erkenntnisse möglich, so daß dieses Verfahren ein viel subtileres, wahrscheinlicheres und weit lebendigeres Verständnis der ägyptischen Mentalität erlaubt und für das Studium dieser Kultur Wege öffnet, die mir vielversprechend erscheinen. Fügen wir hinzu, daß der Verfasser die Schriften Plotins oft zitiert, um sich der lebendigen ägyptischen Gedankenwelt noch mehr zu nähern.
Um das Interesse des Buches spürbarer zu machen, ohne es jedoch zu verfälschen, müßte man die vom Autor verwendeten Fachausdrücke wiedergeben; es ist in der Tat recht schwierig ein Buch zu resümieren, das so dicht ist und in dem die Gedanken sich ununterbrochen über fast 200 Seiten hin entwickeln. Das Buch hat weder Inhaltsverzeichnis noch Register, und dies ließe sich hier verteidigen, weil man sonst die Erklärung dieses oder jenes Symbols nicht verstehen und verwenden könnte, ohne im Geiste den Zusammenhang gegenwärtig zu haben, in dem Makram die betreffende Deutung gegeben hat. Der Text ist fortlaufend; die Abschnitte, gekennzeichnet durch Gardinersche Hieroglyphenreihen, bilden siebenunddreißig Paragraphen unterschiedlicher Länge, die jedoch nur einfache Pausenbezeichnungen darstellen und den Fluß der Überlegungen keineswegs unterbrechen. Der Verfasser schreibt eine äußerst präzise und klare Sprache, Zeichen einer vollkommen beherrschten Gedankentiefe; der Leser wird durch diese schwierige Materie stufenweise und ohne Obskurität geleitet; die Gedanken sind in Form deutlicher Schlußfolgerungen zusammengefaßt, wobei jedem weiteren Schritt deutlich herausgearbeitete Problemstellungen vorausgeschickt sind.
Makrams Untersuchung erinnert mich an das kurze Exposé über das ägyptische Symbolwesen, das Rudolf Anthes im Bericht einer Freimaurerloge geschrieben hat (Grüne Blätter Nr. 23-24, März 1967, S.1-20); Anthes besinnt sich auf seine intime Erfahrung als Christ und Freimaurer, um zu erklären, wie man die religiösen und philosophischen Gedanken der Ägypter erörtern und ihre scheinbaren Widersprüche betrachten soll; dies ist bereits ein Rekurs auf die Psychologie, allerdings auf eine personelle Psychologie, auf die geistige Sensibilität eines denkenden Menschen. Auf einer ähnlichen, aber breiteren und mehr technischen Ebene hat Makram gearbeitet, ohne einen persönlichen Glauben einfließen zu lassen, sondern mit Erfolg darauf bedacht, auf dem Wege einer sehr humanen Wissenschaft und jenseits bloßer Buchstabentreue gegenüber dem ägyptischen Erbe, den belebenden Geist zu suchen. Er ist – so meine ich  ein Bahnbrecher in der gewählten Methode; seine Vorschläge werden zweifellos ebensosehr von Ägyptologen als auch Psychologen berührt, nichtsdestoweniger machen sie ein bemerkenswertes Buch aus, das die ägyptische Kultur von einer ganz neuen Seite beleuchtet.

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Folgender Artikel erschien im "Schwäbischen Tagblatt", Tübingen am Samstag, 12. Juni 1965

Der Sonnenglaube Altägyptens

Neue Forschungsergebnisse in der ägyptischen Kulturpsychologie

Unter dem Titel "Kulturgeist und Kulturleib-Kulturpsychologie des Alten Ägypten" erscheint in Kürze eine Arbeit von Makram Rizk Waasef, die u.a. den Sonnenglauben der alten Ägypter unter neuen Gesichtspunkten darstellt.
Der Verfasser vertritt die neue Auffassung, daß der alte Ägypter in der Sonne eine schöpferische Allseele verehrte und sie nicht, wie es die heutigen Ägyptologen meinen, als physische Kraft vergöttlichte. Das Geheimnis des ewigen Seins fand der Ägypter in den Strahlen der Sonne, die die Seele in seinen Körper einhauchte. In dem Augenblick seines Todes, wo die Seele sich vom Leibe trennt, kehrt sie zu Ihrem Ursprung, der Sonne zurück. Dadurch ward er zu einem "ACH", einem Sonnenstrahl, was ihm seinen Ewigkeitswunsch verwirklichte. Diese Tatsache, die von den Ägyptologen in hundertjähriger Forschung übersehen wurde, bildet den Kern der ägyptischen Philosophie. Auf Grund dieser Philosophie gelang es dem Verfasser ein weiteres Rätsel in der Ägyptologie, nämlich das des Osiris, zu lösen.
Der Körper des Ägypters wurde nach dem Tode einbalsamiert und als Osiris bezeichnet. Damit wurde der Ägypter zu einem ACH-Sonnenstrahl im Himmel und gleichzeitig zu einem einbalsamierten Osiris in der irdischen Nekropole, was die Ägyptologen nicht verstehen konnten. Die Lösung dieses Problems fand der Verfasser in einem Mythos, nach dem die Sonne zum ersten Male aus einem Weltbaum erschien und auf ihm ihren Sitz nahm.
Osiris, das auf ägyptisch "Sitz der Sonne" heißt, war nichts anderes als dieser Weltbaum. Indem der Ägypter den einbalsamierten Körper als Osiris bezeichnete, wollte er damit seinen Körper als Weltbaum zum Sitze seiner Seele, dem ACH-Sonnenstrahl, machen. Der Verfasser wendete sich dann zu den in der Ägyptologie bekannten kleinen mumienähnlichen Schawabtifiguren, die den Ägyptern, zuweilen in der Zahl von 365, in das Grab mitgegeben wurden. Im Gegensatz zu den Ägyptologen, für die diese Figuren Arbeiter bedeuten, die dem Toten, die ihm im Jenseits auferlegte Arbeit tun sollten, konnte er feststellen, daß die Schawabtis ebenfalls Symbole für 365 Weltbäume sind. Damit, meint er, ließ der Ägypter in seinem Grabe 365 Bäume säen ein Baum für jeden Tag des Jahres  auf dem seine Seele ruhen und aus dem sie erscheinen konnte. Eine andere Form in der ägyptischen Kunst, die in der Ägyptologie als Palastfassade bekannt ist und die nach den Ägyptologen, angeblich aus einer Palastdarstellung entnommen ist, deutet er als abstrakte Darstellung des bekannten Mythos von der aus dem Urhügel erscheinenden Sonne, wodurch er sie als Verkörperung der Seele erklärte.
Als Einleitung seiner Arbeit bringt er eine neue geschichtsphilosophische Methode, nach der er jede Kultur zu einer untrennbaren Einheit von Kulturgeist und Kulturleib dargestellt hat. Um den abstrakten Kulturgeist anschauen zu können  meint er muß man den Sinn des konkreten Kulturleibes aus dem persönlichen sowie generellen Unbewußten herausschöpfen können. Am Schluß vergleicht der Verfasser zwischen der Philosophie der alten Ägypter und deren Erscheinung in der Lichtphilosophie Plotins.

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Sechs Tage später, am 18. Juni 1965, erschien diese Kritik im Schwäbischen Tagblatt

Briefe an die Redaktion

Bei den unter dieser Rubrik veröffentlichten Zuschriften handelt es sich um Meinungsäußerungen, die mit der Meinung der Redaktion nicht unbedingt identisch sind. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen und Zusammenfassungen vor

Ägyptologischer Dilettantismus

Zu "Der Sonnenglaube Ägyptens"

Herr Makram Rizk Waasef hält es offensichtlich nicht für nötig, Spengler selbst zu lesen, traut sich aber dennoch zu, auf seine geistigen Ahnen als auf Kretins herabzublicken? Das heißt, Ahnen braucht er nicht, er produziert aus sich selbst, nennt auch Wiedergekäutes Produktion. Doch wie steht es um das Eigene ?
Freilich gibt es noch gewisse Fragen bei den Schawabtis, und auch um Echnaton ist noch nicht alles geklärt. Zu Osiris gehört eine Sammlung von Mythen, die wir teils nur in Fetzen greifen, und auch die Palastfassade bietet einige Rätsel. Herr Makram ist nach dem Rezept verfahren, von allem Scheinbefund ein wenig zu häkeln, eine dunkel gebraute Soße darüber zu gießen, und das ganze als homogenes Gericht anzubieten. Möchten sich nicht allzu viele Leser inzwischen den Magen verdorben haben!
Wo Herr Makram zwei Belegstellen aufzuweisen hat, die als späte Interpretation in seinem Sinne in Anspruch genommen werden könnten - wieso wären sie den Ägyptologen entgangen ? -, könnten ihm 200 entgegengehalten werden, die ihm glatt widersprechen. Sie unterschlägt er zugunsten seiner verkrampften Idee. Solch typischen Dilettantismus leistet sich in der Tat kein Akademiker, der wünscht ernst genommen zu werden. Es ist gut, daß sich Herr Makram von den Ägyptologen und damit von der Wissenschaft distanziert hat, sonst hätten sie sich von ihm distanzieren müssen, denn sie sind gewohnt auf Beweisen aufzubauen.

U.T.,TÜBINGEN
[U.T., Tübingen soll angeblich eine Abkürzung von Universität Tübingen sein]

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Folgender Artikel wurde von der gerechten deutschen Journalistin, Frau ROSEMARIE GREINER, im Schwäbischen Tagblatt, Tübingen am 05. Juni 1970 veröffentlicht.

Klage hatte Erfolg

Gericht hob Fakultätsbeschluß über Dissertationsablehnung auf

Der Beschluß der Philosophischen Fakultät der Universität Tübingen, die Arbeit des 37jährigen Ägypters Rizq Makram (Thema: "Kulturgeist und Kulturleib – Kulturpsychologie des alten Ägypten") als Dissertation abzulehnen wurde dieser Tage vom Verwaltungsgericht Sigmaringen aufgehoben. Der Ägyptologe hatte seine im Juni vergangenen Jahres eingereichte Klage gegen die Fakultät respektive Universität damit begründet, daß der Beschluß der Fakultät vom 14. Juni 1968 durch sachfremde Argumente zustande gekommen sei.
Makram, der in Ägypten bereits den Magister artium gemacht hatte, studierte zunächst in Münster fünf Semester Ägyptologie und schrieb sich dann in Tübingen ein. Hier wollte er bei Prof. Dr. Helmut Brunner Direktor des Ägyptologischen Instituts, promovieren. Doch es kam zu Meinungsverschiedenheiten zwischen Doktorvater und Doktorand, die zwar inzwischen wieder beigelegt wurden, dennoch aber Prof. Brunner veranlaßten , die Übernahme der Prüfung der Arbeit von Makram wegen Befangenheit abzulehnen. Er schlug statt dessen vor, das Hauptgutachten von Prof. Otto (Heidelberg) anfertigen zu lassen. Ausgerechnet Prof. Otto aber wurde in der Arbeit Makrams scharf angegriffen.
Die Beurteilung fiel negativ aus, Ein weiterer Gutachter wurde zugezogen. Prof. Spiegel aus Göttingen. Er äußerte sich positiv, forderte aber, daß zur gültigen Beurteilung noch ein Tiefenpsychologe und ein vergleichender Religionswissenschaftler, in deren Gebiet.
die Arbeit verstößt zugezogen würden.
Das geschah nicht. Stattdessen wurden weitere fünf Gutachter gehört, die sich zum Teil ausdrücklich nur zur formalen Gestaltung der Arbeit äußerten, weil sie sich wissenschaftlich nicht kompetent fühlten. Das Urteil fiel mehr oder weniger negativ aus. Makram, das vielleicht kurz zur Charakterisierung, lehnt die bekannte Methode der Untersuchung ab; er vertritt in seiner Arbeit eine völlig neue Richtung.
An der Sitzung der Fakultät, in der die Ablehnung beschlossen wurde, nahm auch Prof. Brunner teil. Allerdings auf seinen Wunsch hin, ohne über die Abstimmung über ihre Annahme oder Ablehnung teilzunehmen. Doch allein schon die Abstimmung in Gegenwart Brunners könnte nach Ansicht Makrams die anderen befangen gemacht haben.
Das Sigmaringer Verwaltungsgericht unter Vorsitz von Verwaltungsgerichtsdirektor Freund konnte sich diesen Überlegungen nicht verschließen. Es hob nach halbstündiger mündlicher Verhandlung (an der weder ein Vertreter des Fachbereichs noch der Universität teilgenommen hat trotz ordnungsgemäßer Ladung) den Beschluß der Fakultät auf. Begründung: Befangenheit bei der Beschlußfassung und sachfremde Argumente bei der Begutachtung.
Inzwischen ist die Arbeit Makrams bereits als Buch erschienen. 1967 in der ersten Auflage, im nächsten Monat soll die nächste Ausgabe mit einem Vorwort von Prof. Dr. Dr. Igor Caruso (Wien) herauskommen.                                                  
RO

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Südwestpresse

Donnerstag. 8. Nov. 1984

Aegyptologen im wissenschaftlichen Disput

"Vom Sonnenglauben"

In der Reihe "Grundzüge" der Wissenschaftlichen Buchgestellschaft Darmstadt. Band 50, veröffentlichte einer der Orientalisten Tübingens, der Ägyptologe Prof.Dr.Hellmut Brunner im vergangenen Jahr 1983 einen Leitfaden unter dem Titel "Grundzüge der altägyptischen Religion". Dieses "Büchlein" sollte, nach dem Wunsch Prof. Brunners S.7 "für das besonders verwirrende und spröde Gebiet der ägyptischen Religion...eine Schneise schlagen...". Daß ich jedoch der Bahnbrecher dieser Schneise bin, ist für ihn eine unerwünschte Wahrheit.
Vor 20 Jahren, 1963, als Prof.Dr.Brunner noch mein Doktorvater war, teilte ich ihm meine neue Theorie vom Sonnenglauben bei den alten Ägyptern mit. Dieser Theorie nach haben die alten Ägypter in der Sonne eine schöpferische Allseele verehrt und sie nicht, wie es die heutigen Ägyptologen meinen, als physische Kraft vergöttlicht. Sie fanden das Geheimnis des ewigen Seins in den Strahlen der Sonne, die die Seele in ihren Körpern einhauchte, wobei im Augenblick des Todes, ihre Seelen zu deren Schöpfer, der Sonne zurückkehrten, um sich mit ihr zu vereinen, und zu einem ewig lebenden ACH-Sonnenstrahl zu werden. Diese Sonnenstrahl-Seelen heißen auf ägyptisch ACHU, Plural von dem Wort ACH, das uns in dem Namen des Königs Echnaton/Achnaton/ägyptisch: Ach n Aton begegnet. Demnach heißt der Name des Königs Achnaton: "Strahl der Sonne, des Aton".
Zu dieser neuen religionspsychologischen Gesamtdarstellung des Sonnenglaubens und der ACHU-Sonnenstrahlseelen der alten Ägypter gelangte ich aufgrund einer neuen mühseligen psychoanalytischen Arbeitsmethode, die in den bisherigen 150 jahren ägyptologischer Forschungen nie angewandt wurde.
Diese neue Arbeitsmethode erschien in meinem bereits 1967 in Tübingen veröffentlichten Buch "Kulturgeist und Kulturleib, Kulturpsychologie des alten Ägypten". Auf der Umschlagseite meines Buches steht das Bild des Königs Achnaton mit der Erklärung "Echnaton (ägyptisch ACH N Aton = Strahl der Sonne des Aton)...".
Nun nach 17 Jahren Schweigen schreibt Prof Dr. Brunner in seiner im 70. Lebensjahr erschienenen "Schneise" auf S. 36/37 "Licht ist offenbar auch eine Gestalt eines Strahles (Ach), eine der zentralen Manifestationen von Echnatons Gott...Seinen Geburtsnamen änderte der König von Amenophis ("Amun ist gnädig") in Echnaton, was vielleicht "Strahl des Aton" heißt. Das einzige, was Prof. Brunner zu meiner neuen, psychoanalytisch erleuchteten Grundbedeutung des ägyptischen Begriffes ACH als die Sonnenstrahl-Seelen im leben der Ägypter nach dem Tode sagt, sind die klassischen drei, von Prof. Brunner sehr bedächtig formulierten Worte "was vielleicht ... heißt", ohne mein Buch als Quelle zu zitieren.
Auf der letzten Umschlagsseite seines "Büchleins" steht folgende Behauptung: "Der Verfasser, der sich viele Jahrzehnte mit dem Stoff befasst hat, rekurriert nicht auf moderne Theorien , die sich erst noch zu beweisen haben, sondern stützt sich auf weitgehend anerkannte Ergebnisse der Forschung". Die vielen Jahrzehnte, in denen sich prof. Brunner mit dem Stoff befasst hat, haben ihm sicherlich nicht mehr ägyptologisches Wissen, als alle anderen Ägyptologen der Welt beigebracht, so daß dieses bloße Wissen ihm, genausowenig, wie den anderen Ägyptologen, zu neuen Erfindungen verholfen hätte.
Zu meinen Erfindungen gelangte ich, nicht weil ich über mehr Wissen in der Ägyptologie verfüge, sondern weil ich, im Gegensatz zu allen anderen Ägyptologen eingeschlossen Prof. Brunner, eine neue psychoanalytische Arbeitsmethode angewandt habe, die bisher allen ägyptologischen Forschern unbekannt war.
Zur Bestätigung meiner Behauptung sei mir erlaubt, einige wissenschaftliche Stellungnahmen der gerechten Ägyptologen, Professor Dr. Joachim Spiegel, Göttingen, und Prof. Dr. Claude Vandersleyen ...    (Der vollständige Text ist oben aufgeführt)

MAKRAM Rizq

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Südwest Presse

Schwäbisches Tagblatt

Tübingen; Samstag, 24. November 1990

Geist und Ohnmacht
Gestrandet vor dem Verwaltungsgericht

Ein Streit, wie er auch unter Gelehrten nicht häufig auf der Tagesordnung steht, beschäftigte am Donnerstag zum wiederholten Mal das Sigmaringer Verwaltungsgericht. Genau genommen geht es nicht mehr so sehr um den ursprünglichen Konfliktfall, denn der liegt bereits 25 Jahre lang zurück, entzündet an einer wissenschaftlichen Arbeit, der die erhoffte Anerkennung an der hiesigen Universität verweigert wurde. Nicht wenige Stimmen von offensichtlichem Gewicht bezeugten ihren Respekt vor dem Werk, das Rizq Makram 1967 unter dem Titel "Kulturgeist und Kulturleib. Kulturpsychologie des alten Ägypten" im Selbstverlag veröffentlicht hat. Rezensionen bescheinigen dem wissenschaftlichen Ansatz Originalität, indem es dem Autor gelungen sei, mit Hilfe von Hypothesen aus dem Feld der Psychoanalyse den Ägyptologen zu neuen Erkenntnissen zu verhelfen. So sie denn überhaupt Wert darauf legen. Freilich hat, und das verbittert den aus Kairo stammenden Ägyptologen nachhaltig, sein einstiger Doktorvater eineinhalb Dutzend Jahre nach der Veröffentlichung der umstrittenen Arbeit auf eine darin enthaltene zentrale These in einer eigenen Publikation hingewiesen – indes ohne auf die Quelle einzugehen.
In engem Zusammenhang mit dieser Konfliktkonstellation entwickelte nun Rizq Makram den Verdacht, man wolle ihn verunglimpfen, um seine Idee als eigenes Gedankengut zu verwenden. Als Indiz dafür führt er an, daß sein einstiger Doktorvater sich früher einmal an die ägyptische Botschaft gewandt habe, damit der Paß seines Schülers überprüft werde. Und als einen weiteren Hinweis darauf, daß man versuche ihn außer Landes zu treiben, deutet er die Behauptung, die vor zwanzig Jahren eine ihm unbekannte Person gegenüber der Kriminalpolizei gemacht hat: er hätte zur Zeit des Sechs-Tage-Krieges zwischen Ägypten und Israel und auch noch danach Verbindung zur Palästinensischen Befreiungsorganisation El Fatah gehabt.
Sein Strafantrag wegen falscher Verdächtigung und Verleumdung versandete. Dennoch hätte er gern gewußt, wer dieser Informant war. Und darum auch sein Antrag, das Land zu verpflichten, dem betreffenden Kriminalkommissar eine Aussagegenehmigung zu erteilen.
Auf den Tisch des Verwaltungsgerichts kamen diese Akten wieder, nachdem man vor zwei Jahren beschlossen hatte, das Verfahren einstweilen ruhen zu lassen. Entgegen der Auskunft des Gerichts, daß kriminalpolizeiliche Ermittlungen keinerlei Anhalt für die behaupteten Verfolgungsmethoden ergaben hätten, glaubte Makram, neue Verdachtsmomente gefunden zu haben, die in Vorwürfen gipfelten, unbekannte Personen hielten sich gelegentlich in seiner Wohnung auf, hätten auf seinem Kopfkissen gesundheitsschädliche Bakterien aufgebracht, die bei ihm eine Asthmaerkrankung auslösten. Von weiteren mutmaßlichen Verfolgern hatte er sich die Autonummer notiert.
Fakten, wie sie die dritte Kammer des Sigmaringer Verwaltungsgerichts hören wollte, konnte der Kläger keine vorbringen. Statt dessen warf er den Richtern vor, von den "stupidesten Verbrechern" auszugehen, seine Verfolger seien ungleich raffinierter. Zu einem Abschluß kam dieses Phantom-Verfahren dennoch nicht. Als der Kammer-Vorsitzende mehrfach auf nachprüfbare Belege insistierte, blockte der Kläger ab und beantragte, die Befangenheit des Vorsitzenden feststellen zu lassen. Bis dies entschieden ist und das Verfahren fortgesetzt werden kann, werden wohl noch etliche Monate ins Land gehen. Bei Würdigung aller Umstände, die einmal dieses Verfahren ausgelöst haben, müßte in nicht allzu ferner Zeit ein weiser Schluß gefunden werden.

[Dr.] Hans-Joachim Lang

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Gedanken zur deutschen Gesetzgebung, teilweise 1994 dem damaligen Justizminister vorgetragen, und von einem anwesenden Professor der Juristischen Fakultaet der Universitaet Tuebingen bejaht worden sind:  
Wenn ich es mir erlaube, mich zu fragen, wie es moeglich sein kann, dass es in der deutschen Gesellschaft, ausser den vielen gerechten edlen Deutschen, deren Lebensideale als felsenfeste Fundamente fuer die Entwicklung einer hohen, regionalen und ueberregionalen Kultur der Deutschen und der Menschheit gelten, dass ausser ihnen soviele, aus allen Bevoelkerungsschichten, vom Arbeiter bis zum Akademiker, so weit vom rechten Wege der Gerechtigkeit und Menschlichkeit entfernt sein koennen dann glaube ich, dass die deutsche Gesetzgebung eine nicht unerhebliche Rolle fuer die Gestaltung eines Rechtsverhaeltnisses mit doppeltem Boden spielt. Ein Beispiel dafuer sei erwaehnt, wo es nach dem deutschen Gesetz erlaubt ist, Abhoergeräte zu kaufen, es aber gleichzeitig verbietet, sie in Deutschland anzuwenden. Nur im Ausland ist die Benmutzung solcher Geraete straffrei. [Dieses Gesetz wurde inzwischen geaendert]. Damit spielt das Gesetz selbst ein heimliches Doppelspiel, indem es den deutschen Landsmann vor Abhoerung beschuetzt, den Landsmann gleichzeitig mit dem selben Gesetz dazu beguenstigt, bedenkenlos, die Menschen im Ausland niederzubelauschen. Dieses Doppelspiel ist nicht ein Einzelfall in der deutschen Gesetzgebung, wo Recht und Unrecht sich in der Mitte treffen, und einander ver-vollkomnen. Je nach Lust und Laune kann demnach ein Richter, geschweige dennein normaler Buerger, den Stab des Gesetzes in der Mitte halten, und einmal Recht und ein andermal Unrecht, im Namen des Volkes aussprechen.


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